Gespaltene goldene US-Staatsanleihe vor dem Kapitol mit Kriegsrauch, Kampfjet und steigender Renditekurve.

US-Anleihen: Krieg als Ausweg aus der Schuldenfalle?

Strategic Risk Intelligence Brief von Global Insight Group.
Diese Analyse basiert auf dem von Michaela Schaaf-Hoffelner entwickelten GFDD Framework™ und wurde für Führungskräfte, Investoren und strategische Entscheider erstellt.

Aktualisiert am: 03. September 2026

Während amerikanische Bomben auf iranische Ziele fallen, führt Washington zu Hause einen zweiten Krieg: gegen den eigenen Anleihemarkt.

Die US-Staatsverschuldung hat 40 Billionen Dollar überschritten. Langfristige Staatsanleihen verlieren an Wert, ihre Renditen steigen und ausgerechnet die bisher zuverlässigsten ausländischen Kapitalgeber beginnen, nach Alternativen zu suchen. China reduziert seine Treasury-Bestände seit Jahren. Nun zieht auch Japan zunehmend Kapital aus ausländischen Anleihen ab und investiert wieder im eigenen Land.

Gleichzeitig treibt der Iran-Krieg den Ölpreis, die Inflation und die amerikanischen Staatsausgaben nach oben. Finanzminister Scott Bessent versucht bereits, mit ausgeweiteten Rückkäufen langlaufender US-Anleihen gegenzusteuern.

Damit stellt sich eine brisante Frage: Könnte der Krieg Washington trotz seiner enormen Kosten einen politischen und monetären Ausweg aus der Schuldenfalle eröffnen? Oder beschleunigt er genau jene Krise, die er möglicherweise verdecken soll?

Stecken US-Anleihen bereits in einer Krise?

Die Vereinigten Staaten stehen noch nicht vor einer klassischen Zahlungskrise. Sie verschulden sich in ihrer eigenen Währung und können ihre Verbindlichkeiten nominell bedienen. Aber der Markt verlangt einen immer höheren Preis dafür, amerikanische Schulden zu finanzieren.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg Anfang September zeitweise auf rund 4,81 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit November 2023. Bei dreißigjährigen Anleihen wurden im August mehr als 5,3 Prozent erreicht.

Steigende Renditen bedeuten fallende Anleihekurse. Für Washington wird damit jede neue Schuldenaufnahme teurer. Weil laufend alte Anleihen fällig werden und refinanziert werden müssen, frisst sich das höhere Zinsniveau schrittweise durch den gesamten Staatshaushalt.

Das Problem bleibt nicht in Washington. US-Treasuries bilden die Grundlage für die Preisbildung auf den internationalen Finanzmärkten. Steigen ihre Renditen, verteuern sich Hypotheken, Unternehmenskredite und Konsumentenkredite. Gleichzeitig geraten Aktien unter Druck, weil Investoren mit vermeintlich sicheren Staatsanleihen wieder hohe laufende Erträge erzielen können.

Die Krise besteht daher noch nicht darin, dass die USA keine Käufer mehr finden. Sie besteht darin, dass Investoren immer höhere Renditen verlangen und Washington immer mehr Schulden zu diesen höheren Kosten refinanzieren muss.

Ausländische Staaten ziehen sich aus US-Anleihen zurück

Noch findet kein globaler Ausverkauf amerikanischer Staatsanleihen statt. Die gesamten ausländischen Treasury-Bestände stiegen zwischen Juni 2025 und Juni 2026 sogar von rund 9,09 auf 9,30 Billionen Dollar.

Unterhalb dieser Gesamtsumme verschiebt sich jedoch die Käuferstruktur.

Die Bestände ausländischer offizieller Stellen, darunter Zentralbanken und staatliche Institutionen, gingen innerhalb eines Jahres um rund 114 Milliarden Dollar zurück. Die zusätzliche Nachfrage kam vor allem von privaten Investoren und internationalen Finanzzentren.

Das ist keine beruhigende Entwicklung. Staatliche Käufer halten US-Anleihen häufig aus strategischen Gründen als Teil ihrer Währungsreserven. Private Anleger besitzen diese Loyalität nicht. Sie kaufen nur, wenn Rendite, Liquidität und Währungsrisiko attraktiv genug sind.

China reduziert seine offiziell ausgewiesenen Treasury-Bestände bereits seit Jahren. Ende 2013 hielt das Land rund 1,27 Billionen Dollar. Im Juni 2026 waren es nur noch 633 Milliarden Dollar. Innerhalb eines weiteren Jahres sank der Bestand um 98 Milliarden Dollar.

Auch andere Staaten bauten ab:

  • Indien reduzierte von 227 auf 186 Milliarden Dollar.
  • Brasilien reduzierte von 215 auf 168 Milliarden Dollar.
  • Die Schweiz verringerte ihre Bestände um rund 16 Milliarden Dollar.
  • Japan hielt im Juni 2026 rund 38 Milliarden Dollar weniger als ein Jahr zuvor.

Die Welt flieht noch nicht aus US-Staatsanleihen. Aber staatliche Dauerkäufer werden zunehmend durch renditeorientiertes Kapital ersetzt. Und dieses Kapital lässt sich seine Bereitschaft zur Finanzierung Washingtons teuer bezahlen. Aktuelle TIC-Daten des US Treasury

Warum Japan zum Wendepunkt werden könnte

Japan ist der gefährlichste neue Faktor in dieser Gleichung. Das Land hält mit mehr als 1,1 Billionen Dollar weiterhin den größten ausländischen Bestand an US-Staatsanleihen.

Jahrzehntelang waren japanische Banken, Versicherungen und Pensionsfonds gezwungen, im Ausland nach Rendite zu suchen. Japanische Staatsanleihen warfen praktisch nichts ab. Amerikanische, europäische und australische Anleihen wurden deshalb zum natürlichen Ziel japanischer Kapitalexporte.

Dieses Modell beginnt sich umzudrehen.

Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen hat erstmals seit 1996 die Marke von drei Prozent überschritten. Gleichzeitig verringern hohe Kosten für die Absicherung des Wechselkursrisikos die Attraktivität amerikanischer Anleihen.

Japanische Investoren verkauften 2026 bis zum 22. August netto rund drei Billionen Yen an ausländischen Anleihen. Diese Summe besteht nicht ausschließlich aus US-Treasuries. Eine Umfrage unter 82 japanischen Unternehmenspensionsfonds zeigt jedoch das größte Interesse an einer Aufstockung heimischer Anleihen seit Beginn der Erhebung im Jahr 2008. Reuters

Japan muss seine amerikanischen Bestände nicht schlagartig abstoßen, um eine globale Wirkung auszulösen. Es reicht, wenn der größte ausländische Treasury-Gläubiger nicht mehr selbstverständlich zusätzliche US-Schulden kauft.

Das eigentliche Risiko ist deshalb kein dramatischer Verkauf über Nacht. Es ist ein schleichender Käuferstreik.

Amerikas mögliche Auswege werden enger

Damit US-Anleihen wieder nachhaltig an Wert gewinnen und ihre Renditen sinken, bräuchten die Vereinigten Staaten eine deutlich günstigere Kombination aus Inflation, Wachstum, Verschuldung und Nachfrage.

Keine dieser Voraussetzungen ist derzeit zuverlässig vorhanden.

Niedrigere Inflation

Der Iran-Krieg arbeitet dagegen. Höhere Öl- und Benzinpreise verteuern Transport, Produktion und Konsum. Die Fed kann die Nachfrage bremsen, aber sie kann weder zusätzliches Öl produzieren noch die Straße von Hormus stabilisieren.

Die amerikanische Notenbank hielt den Leitzins im Juli bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Drei Mitglieder des zuständigen Ausschusses wollten ihn bereits um 25 Basispunkte erhöhen. Die Fed verwies ausdrücklich auf erhöhte Inflation und Energiepreisschocks. Federal Reserve

Geringere Staatsverschuldung

Auch dieser Ausweg ist blockiert. Die amerikanischen Staatsschulden haben nur 19 Monate nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten.

Der kostspielige Iran-Krieg, Steuerentlastungen, Sozialausgaben und steigende Zinskosten belasten den Haushalt gleichzeitig. Die im Wahlkampf versprochenen Einsparungen reichen nicht annähernd aus, um diese Dynamik zu stoppen. Reuters

Starkes, nicht inflationäres Wachstum

Eine starke Wirtschaft hilft nur, wenn sie durch Produktivität entsteht, Steuereinnahmen erhöht und die Schuldenquote reduziert. Starkes Wachstum allein kann die Kapitalnachfrage und Inflation sogar weiter antreiben.

Fed-Chef Kevin Warsh warnt bereits vor einem zunehmenden Wettbewerb um Kapital. Der amerikanische Staat und die großen Technologiekonzerne benötigen gleichzeitig enorme Finanzierungssummen. Jeder will denselben nächsten Investitionsdollar.

Neue Käufer

Bleiben die traditionellen Großkäufer zurückhaltend, müssen die USA höhere Renditen bieten, neue regulatorische Nachfrage schaffen oder selbst in den Markt eingreifen.

Genau das geschieht bereits.

Bessents Rückkäufe: Stabilisierung oder verdecktes Notsignal?

US-Finanzminister Scott Bessent hat die geplanten Rückkäufe bestimmter langlaufender Staatsanleihen von zwei auf vier Milliarden Dollar je Operation verdoppelt. Im laufenden Quartal soll das Volumen um mindestens 14 Milliarden Dollar steigen. Bessent stellte weitere Erhöhungen in Aussicht.

Offiziell sollen die Rückkäufe die Liquidität älterer Anleihen verbessern. Das Timing ist dennoch unübersehbar: Die Ausweitung wurde bekannt gegeben, nachdem die Rendite dreißigjähriger Treasuries ein 19-Jahres-Hoch erreicht hatte. Reuters

Die Rückkäufe bedeuten nicht, dass überhaupt niemand mehr US-Anleihen kaufen will. Sie zeigen aber, dass das Finanzministerium die Spannungen am langen Ende des Marktes für gefährlich genug hält, um aktiv einzugreifen.

Dabei werden die Schulden nicht abgebaut. Das Treasury kauft ältere, langlaufende Anleihen zurück und finanziert dies über vorhandene Liquidität oder die Ausgabe anderer Schuldtitel. Die Verbindlichkeiten verschwinden nicht. Sie werden umgeschichtet.

Bessent löst damit die amerikanische Schuldenfrage nicht. Er versucht, ihre sichtbarste und gefährlichste Folge zu kontrollieren: langfristige Zinsen, die Staat, Immobilienmarkt und Unternehmen gleichzeitig unter Druck setzen.

Besonders problematisch ist, dass die beruhigende Wirkung bereits wieder verpufft. Die Renditen stiegen erneut. Der Markt signalisiert Washington damit: Vier Milliarden Dollar pro Rückkaufoperation ändern nichts an den grundlegenden Problemen.

Krieg als Ausweg oder als Brandbeschleuniger?

Auf den ersten Blick kann ein Krieg US-Staatsanleihen sogar helfen. Wenn Anleger weltweit in Panik geraten, suchen sie Dollarliquidität und vermeintlich sichere Treasuries. Ein deutlicher amerikanischer Sieg über Iran könnte außerdem die militärische Glaubwürdigkeit Washingtons wiederherstellen und die sicherheitspolitische Bindung der Golfstaaten an die USA festigen.

Damit würde auch die Dollarordnung gestützt: Energieexporte bleiben überwiegend in Dollar fakturiert, Öleinnahmen fließen in westliche Finanzmärkte zurück und mögliche BRICS-Alternativen verlieren an Dringlichkeit.

Der Krieg kann Washington außerdem eine politische Erklärung für Inflation, Benzinpreise und steigende Defizite liefern. Maßnahmen, die in normalen Zeiten wie eine Rettung des Anleihemarktes wirken würden, lassen sich in einer militärischen Krise leichter als notwendige Stabilisierung rechtfertigen.

Doch derselbe Krieg kann zum Brandbeschleuniger der Schuldenfalle werden.

Jeder weitere Kriegsmonat bedeutet höhere Militärausgaben. Angriffe rund um die Straße von Hormus erhöhen die Risikoprämie auf Öl. Steigende Energiepreise treiben die Inflation, verhindern Zinssenkungen und drücken die Kurse langlaufender Anleihen. Der Versuch, die geopolitische Dollarordnung militärisch zu verteidigen, beschädigt damit gleichzeitig ihre finanzielle Grundlage.

Daraus ergeben sich drei mögliche Entwicklungen.

Szenario 1: Der schnelle amerikanische Sieg

Iran wird militärisch oder wirtschaftlich zu weitreichenden Zugeständnissen gezwungen. Die Lage an der Straße von Hormus stabilisiert sich, der Ölpreis fällt und der Inflationsdruck lässt nach.

Die Fed erhält wieder Spielraum, Treasury-Renditen können sinken und amerikanische Anleihen gewinnen an Attraktivität. Gleichzeitig würde ein sichtbarer Erfolg die Sicherheitsgarantie der USA gegenüber den Golfstaaten stärken.

Dieses Szenario wäre für Washington der erhoffte Ausweg. Allerdings ist ein militärischer Erfolg noch keine politische Nachkriegsordnung. Ohne stabile Anschlusslösung könnte die Eskalation lediglich vertagt werden.

Szenario 2: Der permanente Abnutzungskrieg

Dieses Szenario erscheint derzeit am wahrscheinlichsten. Weder Iran noch die USA erreichen einen entscheidenden Durchbruch. Angriffe, Waffenruhen, Sanktionen, Blockaden und Stellvertreterkonflikte wechseln einander ab.

Der Ölpreis behält eine dauerhafte Kriegsprämie. Inflation und Militärausgaben bleiben hoch. Die Fed kann kaum lockern, während Bessent den Anleihemarkt immer stärker stabilisieren muss. Ausländische Gläubiger diversifizieren weiter.

Gleichzeitig können andere Akteure die amerikanische Überlastung nutzen und zusätzliche Konfliktherde verschärfen. Militärische Mittel, Kapital und politische Aufmerksamkeit der USA werden auf immer mehr Schauplätze verteilt. Der Abnutzungskrieg wird damit nicht nur militärisch, sondern finanziell geführt.

Dazu passt die Analyse Ukraine und Iran: Zwei Fronten, ein Abnutzungskrieg gegen die USA.

Szenario 3: Der unkontrollierte Mehrfrontenschock

Der Iran-Krieg eskaliert, Energie- oder Transportinfrastruktur wird schwer beschädigt und parallel verschärfen sich weitere Konflikte.

Ein neuer Ölpreisschock würde die USA in Richtung Stagflation treiben: hohe Inflation bei gleichzeitig schwächerem Wachstum. Treasury-Renditen könnten weiter steigen, Aktien und Immobilien unter Druck geraten und ausländische Investoren zusätzliche Risikoprämien verlangen.

Müsste die Fed in dieser Situation trotz hoher Inflation Liquidität bereitstellen oder erneut Anleihen kaufen, wäre der entscheidende Kipppunkt erreicht. Dann würde die Geldpolitik nicht mehr vorrangig die Inflation bekämpfen, sondern die Finanzierbarkeit des Staates und die Stabilität des Treasury-Marktes schützen.

Der Iran-Krieg ist deshalb kein verlässlicher Ausweg aus der amerikanischen Schuldenfalle. Er kann kurzfristig Safe-Haven-Nachfrage erzeugen, die Dollarordnung stabilisieren und politische Rechtfertigungen für Interventionen liefern. Je länger er dauert, desto stärker treibt er jedoch Inflation, Staatsausgaben und Finanzierungskosten.

Washington kämpft damit um zwei Fundamente seiner Macht gleichzeitig: militärische Dominanz und finanzielle Glaubwürdigkeit.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur, ob die USA diesen Krieg gewinnen können.

Sie lautet: Wer ist noch bereit, ihn zu finanzieren?


Autorin von Global Insight Group Intelligence:

Michaela Schaaf-Hoffelner verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung im strategischen sowie technischen Projekt- und Produktmanagement – insbesondere in den Bereichen IT, Steuerungstechnik und Intralogistik. Durch ihre langjährige Arbeit an komplexen Systemen erkennt sie frühzeitig strukturelle Risiken und Brüche in der dynamischen Passung, die in klassischen Analysen oft übersehen werden.

Ihr Fokus liegt darauf, kausale Zusammenhänge und systemische Abhängigkeiten sichtbar zu machen und sie in konkrete strategische Vorteile für Investoren und Entscheider zu übersetzen. Ihre Analysen verbinden tiefes technisches Systemverständnis mit geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen.


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