Saudi Arabia, Türkiye and Pakistan leaders symbolising the emerging regional power shift during the Iran war.

Iran-Krieg: Wie der Westen kämpft und seine Vormachtstellung verliert

Strategic Risk Intelligence Brief von Global Insight Group.
Diese Analyse basiert auf dem von Michaela Schaaf-Hoffelner entwickelten GFDD Framework™ und wurde für Führungskräfte, Investoren und strategische Entscheider erstellt.

Aktualisiert am: 09. August 2026

Der Iran-Krieg wird öffentlich vor allem militärisch erzählt: Angriffe, Raketen, Verhandlungen und die Frage, wann die Straße von Hormus wieder vollständig öffnet. Doch unterhalb dieser sichtbaren Ebene könnte eine wesentlich größere Verschiebung stattfinden.

Die einzelnen Entwicklungen wirken zunächst unverbunden. Iran bleibt trotz massiver Angriffe strategisch handlungsfähig. Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan schaffen eine eigene Verteidigungsarchitektur. Ägypten könnte folgen. Iran und Oman verhandeln über neue Regeln für Hormus. Gleichzeitig gewinnen regionale Chokepoints, asiatische Energiemärkte und alternative Sicherheitsstrukturen an Bedeutung.

Die zentrale Hypothese dieser Analyse lautet deshalb: Der Westen führt einen großen Teil des Krieges, während die Region beginnt, ihre künftige Macht-, Sicherheits- und Handelsordnung zunehmend selbst zu organisieren.

1. Iran-Krieg 2026: Warum Teheran trotz der Angriffe Regionalmacht bleibt

Iran wurde militärisch schwer getroffen. Trotzdem konnte Teheran weder zuverlässig entwaffnet noch aus der regionalen Machtgleichung entfernt werden. Statt einer vollständigen Ausschaltung Irans drängen wichtige Golfstaaten inzwischen wieder auf Verhandlungen. Anfang August warnte Iran Saudi-Arabien und andere Golfstaaten ausdrücklich, dass bei weiteren Angriffen iranische Vergeltung gegen Öl-, Strom- und Wasserinfrastruktur folgen könne. Riyadh drängte Washington daraufhin erneut in Richtung Verhandlungslösung. Reuters

Diese Vorsicht bekommt zusätzliches Gewicht durch die nukleare Entwicklung der vergangenen Jahre. Der heutige Informationsverlust der IAEA begann nicht erst mit dem Krieg. Seit dem 23. Februar 2021 wendet Iran das Additional Protocol nicht mehr an. Damit verlor die IAEA wesentliche zusätzliche Kontrollmöglichkeiten. IAEA

2022 wurde die Überwachung weiter eingeschränkt. 2023 durfte die IAEA zwar weiterhin bestimmte Anlagen kontrollieren, erhielt aber beispielsweise keinen Zugriff auf Daten bestimmter Überwachungskameras. Im September 2023 entzog Iran zudem mehreren besonders erfahrenen Inspektoren ihre Zulassung. IAEA und IAEA

Das beweist keine iranische Atombombe. Es bedeutet aber, dass die Nachbarstaaten seit Jahren mit zunehmender Unsicherheit über die tatsächlichen Fähigkeiten Irans planen müssen.

Genau hier entsteht der erste Zusammenhang: Die entscheidende Veränderung könnte darin liegen, dass die Region nicht mehr damit plant, Iran irgendwann vollständig entwaffnen oder durch westliche Militärmacht kontrollieren zu können. Stattdessen könnte sie beginnen, sich auf einen dauerhaft starken Iran einzustellen. Damit verschiebt sich das strategische Ziel. Es geht nicht mehr zwingend darum, Iran aus der regionalen Ordnung auszuschließen, sondern darum, genügend eigene Macht aufzubauen, um mit Iran koexistieren zu können, ohne von Teheran dominiert zu werden.

2. Saudi-Arabien, Türkei und Pakistan: Eine neue Sicherheitsordnung entsteht

Am 7. August 2026 unterzeichneten Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan das Mecca Joint Defence Agreement. Ein Angriff auf eines der drei Länder wird grundsätzlich als Angriff auf alle betrachtet. Der türkische Außenminister Hakan Fidan verglich den Mechanismus ausdrücklich mit Artikel 5 der NATO. Geplant sind zudem regelmäßige politische Konsultationen sowie ein permanentes Sekretariat in Saudi-Arabien. Ägypten könnte später beitreten. Reuters

Die Entstehung dieser Struktur reicht jedoch weit zurück. Bereits im Juli 2023 vereinbarten Saudi-Arabien und die Türkei eine vertiefte Zusammenarbeit bei Verteidigungsfähigkeiten, Rüstungsindustrie sowie Forschung und Entwicklung. Saudi Press Agency

Im August 2023 fand in Riyadh bereits das erste trilaterale Treffen Saudi-Arabiens, der Türkei und Pakistans statt. Beim zweiten Treffen im Januar 2024 erklärten die drei Staaten ausdrücklich, ihre intellektuellen, technischen, finanziellen und personellen Ressourcen zusammenführen zu wollen, um im Verteidigungsbereich unabhängiger zu werden. Anadolu Agency

Die zeitliche Parallelität ist bemerkenswert. Während die Transparenz über das iranische Nuklearprogramm seit 2021 schrittweise abnahm, begann spätestens 2023 öffentlich sichtbar der Aufbau einer neuen regionalen Verteidigungsarchitektur.

Besonders interessant ist ihre Zusammensetzung. Pakistan besitzt Atomwaffen. Die Türkei verfügt über eine der größten Streitkräfte der NATO und bleibt Mitglied des westlichen Bündnisses. Saudi-Arabien bringt Energie-, Finanz- und regionales Gewicht ein. Gleichzeitig betont Ankara ausdrücklich, der neue Pakt richte sich nicht gegen Iran. Associated Press

Damit ergibt sich der zweite Zusammenhang: Saudi-Arabien könnte eine Doppelstrategie verfolgen. Auf der einen Seite wird militärische Gegenmacht aufgebaut. Auf der anderen Seite wird Iran diplomatisch nahe gehalten. Das wäre kein Widerspruch, sondern strategisches Hedging. Riyadh müsste Iran weder besiegen noch ihm vertrauen. Es müsste lediglich verhindern, dass Iran die regionale Ordnung allein bestimmt.

Noch bemerkenswerter ist die Türkei. Ankara besitzt bereits den Schutz der NATO und beteiligt sich trotzdem an einer zweiten, regionalen Beistandsarchitektur. Das deutet darauf hin, dass selbst eines der militärisch wichtigsten NATO-Mitglieder seine Sicherheit im Nahen Osten nicht mehr ausschließlich innerhalb einer westlich dominierten Struktur organisieren will.

Sollte Ägypten hinzukommen, würde aus drei starken Regionalmächten zusätzlich ein Staat eingebunden, der mit dem Suezkanal einen der wichtigsten Handelswege der Welt kontrolliert.

3. Straße von Hormus: Vom Chokepoint zum politischen Machtinstrument

Die entscheidende Veränderung bei Hormus ist deshalb nicht nur, dass weniger Schiffe passieren. Es verändert sich die Frage, wer künftig über die Bedingungen der Passage entscheidet.

Iran und Oman verhandeln derzeit über einen neuen Mechanismus. Ein diskutierter Entwurf würde Iran Kontrolle über einfahrenden Schiffsverkehr geben. Strittig sind unter anderem Kontrollen des ausfahrenden Verkehrs und mögliche Gebühren. Iran fordert nach Angaben von Reuters Gebühren in Höhe von fünf bis sieben Prozent des Warenwerts, während Oman ein niedrigeres Modell vorgeschlagen hat. Die internationale Schifffahrtsindustrie hält die derzeit diskutierte Konstruktion für kaum praktikabel. Reuters

Trotzdem ist bereits die Tatsache bemerkenswert, dass darüber überhaupt verhandelt wird. Ein US-Regierungsvertreter erklärte am 7. August, man erwarte bald eine Vereinbarung zwischen Iran und Oman. Erst nach einer solchen Vereinbarung über ungehinderten kommerziellen Verkehr wollen die USA ihre Blockade iranischer Häfen aufheben. Reuters

Jahrzehntelang beruhte die operative Logik von Hormus darauf, dass die Freiheit des internationalen Schiffsverkehrs letztlich von westlicher, insbesondere amerikanischer Seemacht abgesichert wurde.

Jetzt könnte sich diese Logik verändern.

Hier liegt der dritte Zusammenhang: Iran versucht möglicherweise, militärisch erzwungene Macht in institutionalisierte Macht zu verwandeln. Eine Rakete erzeugt kurzfristige Wirkung. Ein dauerhaftes Kontroll-, Genehmigungs- oder Gebührenregime schafft dagegen politische und wirtschaftliche Macht über Jahre.

Sollte Iran aus dem Krieg irgendeine anerkannte Mitsprache über die Regeln von Hormus mitnehmen, wäre das strategisch wesentlich bedeutender als ein einzelner militärischer Erfolg. Die zentrale Energiewasserstraße der Welt wäre dann nicht mehr ausschließlich Teil einer vom Westen garantierten Verkehrsordnung. Zugang würde stärker zur regional ausgehandelten politischen Frage.

Damit könnte Iran einen geografischen Chokepoint erstmals systematisch in wirtschaftliche und institutionelle Macht übersetzen.

4. Hormus, Bab el-Mandeb und Suez: Die Chokepoints werden Teil einer regionalen Sicherheitsordnung

Hormus lässt sich inzwischen kaum noch isoliert betrachten. Fällt die Route aus, versuchen Saudi-Arabien und andere Produzenten, Energie über alternative Pipelines und Häfen am Roten Meer zu exportieren. Doch damit verlagert sich das Risiko lediglich zum nächsten Chokepoint.

Bab el-Mandeb wird seit Jahren durch Houthi-Angriffe belastet. Auch die saudische Exportinfrastruktur am Roten Meer gerät zunehmend unter Druck. Saudi-Arabien baut deshalb parallel eine multinationale maritime Verteidigungsstruktur auf. Türkei, Pakistan und Ägypten gehören zu den Staaten, die sich an der Diskussion um eine stärkere regionale Absicherung des Roten Meeres beteiligen. Gleichzeitig ist das Thema maritime Sicherheit auch Bestandteil der neuen regionalen Zusammenarbeit. Reuters

Dahinter liegt eine einfache geografische Logik: Wer Hormus umgeht, landet im Roten Meer. Wer vom Roten Meer nach Europa will, braucht Suez. Eine Störung verschwindet deshalb nicht, wenn eine alternative Route existiert. Sie wandert zum nächsten Engpass.

Genau diese Kettenreaktion zeigt sich bereits in den wirtschaftlichen Folgen. Die Straße von Hormus ist nicht nur wegen ihrer Ölmenge bedeutend, sondern weil alternative Exportkapazitäten den Ausfall nicht vollständig kompensieren können. Schaaf Media

Damit ergibt sich der vierte Zusammenhang: Wer mehrere Chokepoints nicht unbedingt vollständig kontrollieren, aber deren Nutzbarkeit beeinflussen kann, erhält überproportionale Macht über Energie, Versicherungen, Frachtkosten und Lieferketten.

Dafür muss kein Kanal physisch dauerhaft geschlossen werden. Es reicht, seine Nutzung unsicher, teuer oder politisch genehmigungspflichtig zu machen.

Wenn nun gleichzeitig Saudi-Arabien, Türkei, Pakistan und möglicherweise Ägypten ihre Sicherheitsstrukturen stärker miteinander verbinden, entsteht eine bemerkenswerte geografische Konzentration. Iran und Oman liegen an Hormus. Saudi-Arabien verbindet Golf und Rotes Meer. Ägypten kontrolliert Suez. Die Türkei kontrolliert mit Bosporus und Dardanellen wiederum einen weiteren strategischen Übergang zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer.

Das beweist keine koordinierte Chokepoint-Allianz. Es zeigt jedoch, wie stark sich die Kontrolle über globale Verkehrswege geografisch bei Staaten konzentriert, die ihre strategische Autonomie gegenüber dem Westen zunehmend ausbauen.

5. Während Washington kämpft, verschiebt sich wirtschaftliche Macht nach Osten

Diese sicherheitspolitische Veränderung trifft auf eine zweite langfristige Entwicklung. Die wirtschaftliche Bedeutung Asiens für die Golfstaaten steigt seit Jahren.

Saudi-Arabien verkauft heute erheblich mehr Öl nach China als in die USA. Gleichzeitig wächst weltweit die Diskussion über alternative Währungen, bilaterale Verrechnungssysteme und eine geringere Abhängigkeit vom Dollar im Energiehandel. Der Iran-Krieg verstärkt genau diese Dynamik, weil Sanktionen, Zahlungsrisiken und geopolitische Blockbildung Staaten dazu zwingen, alternative Finanz- und Handelswege aufzubauen.

Ein abrupter Zusammenbruch des Petrodollars ist deshalb nicht notwendig. Entscheidend wäre eine schrittweise Erosion seiner Exklusivität. Genau diese langfristige Verbindung zwischen Energie, geopolitischer Macht und De-Dollarisierung wurde bereits in früheren Analysen untersucht. Schaaf Media

China wiederum muss den Iran-Krieg nicht militärisch führen, um strategisch von einer Neuordnung profitieren zu können. Je stärker die Region ihre Sicherheit selbst organisiert und je stärker Energiehandel nach Asien ausgerichtet wird, desto weniger notwendig ist eine vollständige politische Unterordnung unter Washington.

Hier schließt sich der fünfte und wichtigste Zusammenhang: Die USA können militärisch die stärkste Macht bleiben und trotzdem institutionell verlieren.

Washington trägt enorme Kosten für militärische Präsenz, Raketenabwehr, Seestreitkräfte und regionale Sicherheit. Gleichzeitig könnte das Ergebnis des Krieges eine Ordnung sein, in der Iran stärkere Chokepoint-Rechte besitzt, Saudi-Arabien, Türkei und Pakistan eine eigene Verteidigungsstruktur betreiben, Ägypten hinzukommt und China wirtschaftlich wichtiger wird.

Dann wäre der Iran-Krieg strategisch paradox.

Der Westen würde einen großen Teil der militärischen Last tragen, während andere Staaten die Strukturen aufbauen, die nach dem Krieg bleiben.

Das wäre keine klassische militärische Niederlage der USA. Es wäre eine Verschiebung der Systemmacht.

Öffentlich könnte Washington weiterhin als Vermittler auftreten. Unterhalb dieser Ebene würde jedoch eine regionale Ordnung entstehen, in der die USA nicht mehr automatisch über Sicherheit, Energieflüsse und strategische Regeln bestimmen.

Der Westen könnte den Krieg führen und gleichzeitig die Nachkriegsordnung verlieren.

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Neun Prüfpunkte: Woran sich die Machtverschiebung künftig erkennen lässt

Diese Analyse ist eine Hypothese. Gerade deshalb lässt sie sich anhand zukünftiger Entwicklungen überprüfen.

  1. Iran bleibt strategisch handlungsfähig. Teheran wird nicht vollständig entwaffnet und behält genügend militärische, nukleare oder asymmetrische Fähigkeiten, um dauerhaft Regionalmacht zu bleiben.
  2. Saudi-Arabien setzt weiterhin auf Eindämmung statt Ausschaltung Irans. Riyadh verhindert oder bremst eine dauerhafte amerikanisch-israelische Strategie zur vollständigen militärischen Neutralisierung Teherans und drängt stattdessen auf Verhandlungen.
  3. Der neue Verteidigungspakt wächst. Besonders aussagekräftig wäre ein Beitritt Ägyptens, weil damit zusätzliche militärische Macht und der Suezraum in die Struktur einbezogen würden.
  4. Der Pakt wird keine ausdrückliche Anti-Iran-Allianz. Trotz iranischer Bedrohungen bleibt Iran offiziell außerhalb des Feindbildes. Besonders relevant wären spätere Konsultations- oder Kooperationsmechanismen mit Teheran.
  5. Hormus kehrt nicht vollständig zum früheren Status quo zurück. Iran erhält irgendeine Form institutionalisierter Mitsprache, Kontrolle, Genehmigungsrecht, Gebührenmodell oder faktischer Vetomacht über die Passage.
  6. Regionale Chokepoints werden stärker als gemeinsames Sicherheitssystem behandelt. Hormus, Bab el-Mandeb, das Rote Meer und Suez werden politisch und militärisch zunehmend miteinander verknüpft.
  7. Der Dollar verliert schrittweise seine Exklusivität im Energiehandel. Yuan, Riyal, Dirham, Rupie sowie bilaterale Settlement-Systeme gewinnen an Bedeutung, ohne dass der Dollar kurzfristig verschwinden muss.
  8. China gewinnt Einfluss, ohne militärisch die Hauptrolle zu übernehmen. Beijing bleibt vergleichsweise im Hintergrund, gewinnt aber als Energieabnehmer, Investor, Vermittler und wirtschaftlicher Partner an strategischer Bedeutung.
  9. Die USA tragen weiterhin überproportionale Sicherheitskosten. Gleichzeitig werden neue regionale Institutionen, Regeln und wirtschaftliche Beziehungen zunehmend von anderen Staaten gestaltet.

Je mehr dieser Entwicklungen gleichzeitig eintreten, desto stärker wird die These, dass der Iran-Krieg nicht die Wiederherstellung westlicher Vormacht markiert, sondern den Übergang zu einer regionaleren und multipolaren Machtordnung.

Häufige Fragen zum Iran-Krieg und zur neuen Machtordnung

Verliert der Westen den Iran-Krieg?

Eine militärische Niederlage und ein Verlust geopolitischer Vormacht sind nicht dasselbe. Die USA können iranische Streitkräfte und Infrastruktur erheblich schwächen und gleichzeitig institutionellen Einfluss verlieren, wenn regionale Staaten anschließend eigene Sicherheits-, Handels- und Chokepoint-Strukturen schaffen.

Richtet sich der neue Pakt von Saudi-Arabien, Türkei und Pakistan gegen Iran?

Offiziell nein. Die Türkei betont ausdrücklich, dass das Abkommen gegen keinen bestimmten Staat gerichtet sei. Gerade diese Aussage ist strategisch interessant, weil Iran gleichzeitig eine der wichtigsten militärischen Bedrohungen für mehrere beteiligte Staaten darstellt. Reuters

Warum ist die Türkei als NATO-Mitglied so wichtig?

Die Türkei besitzt bereits eine kollektive Sicherheitsgarantie durch die NATO. Dass Ankara trotzdem eine zusätzliche Artikel-5-ähnliche regionale Struktur mit Saudi-Arabien und Pakistan aufbaut, zeigt, dass NATO-Mitgliedschaft regionale strategische Interessen offenbar nicht vollständig abdeckt.

Welche Rolle spielt Pakistan?

Pakistan bringt neben großen Streitkräften vor allem eine besondere strategische Eigenschaft ein: Es besitzt Atomwaffen. Daraus folgt nicht automatisch ein pakistanischer Nuklearschirm für Saudi-Arabien oder die Türkei. Pakistan erhöht jedoch das Abschreckungspotenzial der neuen Sicherheitsarchitektur erheblich.

Kann Iran künftig Gebühren für die Straße von Hormus verlangen?

Iran fordert entsprechende Gebühren, während über unterschiedliche Modelle verhandelt wird. Ihre rechtliche und praktische Durchsetzbarkeit ist hoch umstritten. Strategisch wichtiger als die konkrete Höhe ist jedoch, dass Iran versucht, seine militärisch erzwungene Kontrolle in dauerhafte politische und wirtschaftliche Macht umzuwandeln. Reuters

Bedeutet diese Entwicklung das Ende des Petrodollars?

Nicht kurzfristig. Wahrscheinlicher ist eine schrittweise Erosion der Dollar-Exklusivität. Je stärker Energiehandel und Sicherheitsbeziehungen der Golfstaaten nach Asien wandern, desto größer wird der Spielraum für alternative Zahlungs- und Finanzierungsstrukturen.

Welche Rolle spielt China?

China muss die amerikanische Sicherheitsrolle nicht übernehmen, um Einfluss zu gewinnen. Als zentraler Energieabnehmer, Handelspartner und Investor profitiert Beijing von einer Ordnung, in der wirtschaftliche Beziehungen stärker nach Asien ausgerichtet und politische Entscheidungen weniger ausschließlich von Washington bestimmt werden.

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Autorin von Global Insight Group Intelligence:

Michaela Schaaf-Hoffelner verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung im strategischen sowie technischen Projekt- und Produktmanagement – insbesondere in den Bereichen IT, Steuerungstechnik und Intralogistik. Durch ihre langjährige Arbeit an komplexen Systemen erkennt sie frühzeitig strukturelle Risiken und Brüche in der dynamischen Passung, die in klassischen Analysen oft übersehen werden.

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